Methoden zur Entwicklung der Spielerpersönlichkeit

In dieser Ausbildungsstufe definieren die Spieler über die eishockeyspezifische Spezialisierung (Position, individuelle Ausprägung) mehr und mehr ihre künftige Rolle auf dem Spielfeld. Dieser Prozess muss sich in der Erarbeitung der psychischen Leistungsvoraussetzungen widerspiegeln.

Wichtige Ziele sind die Entwicklung eines realistischen Selbstbildes sowie die möglichst korrekte Einschätzung der eigenen Stärken und Potenziale als Voraussetzungen für eine optimale Identitätsfindung.


Vorstellungstraining

  • In 3 Schritten zur Bewegungsvorstellung
    Gruppenstärke beliebig
    Ziel Aufbau der Bewegungsvorstellung
    Dauer 45 Minuten
    Materialien Schreibutensilien, Arbeitsblatt "In 3 Schritten zur Bewegungsvorstellung"

    Hintergrund

    Ein Klassiker der Sportpsychologie: Diese Übung bildet den Kern des Bewegungsvorstellungstrainings. Um einzelne Bewegungen zu verbessern, sie zu stabilisieren oder sie z. B. im Falle einer Verletzung aufrechtzuerhalten, wird diese Trainingsform herangezogen. Diese Übung ist an die Beschreibungen des mentalen Trainings von Eberspächer (2001) und Mayer und Hermann (2009) angelehnt.

    Organisation und Ablauf

    • Bewegungsbeschreibung: Zunächst erarbeitet der Spieler mit dem Trainer eine genaue Beschreibung des technischen Ablaufs einer einzelnen Bewegung. Dies kann beispielsweise ein bestimmter Schuss, eine Finte oder eine Lauftechnik sein. Es ist wichtig, dass der Sportler die Bewegung so detailliert wie möglich beschreibt. Er soll dabei verschiedene Sinne, v. a. aber das Sehen (überwiegend aus der Eigenperspektive Cockpit) und das Bewegungsgefühl mit einbeziehen. Der Ablauf wird dann schriftlich festgehalten (s. Arbeitsblatt oben: In 3 Schritten zur Bewegungsvorstellung). Um die Beschreibung zu unterstützen, können besonders die Übungen „Dem Spürsinn vertrauen“ und „Kino im Kopf“ integriert werden. Wenn die Übung mit der ganzen Gruppe durchgeführt wird, kann auch die Übung „Ich schau mal, wie du es machst“ zusätzlich durchgeführt werden.
      In einem nächsten Schritt soll die Bewegung noch einmal ausgeführt und gefilmt werden. Das Video wird von Trainer und Spieler gemeinsam angesehen und es kann auf Details im Bewegungsablauf eingegangen werden, die in die schriftliche Ausarbeitung der Bewegung integriert werden sollen. Es soll sowohl auf das Bewegungsgefühl eingegangen werden, das der Spieler bei der Ausführung wahrgenommen hat, als auch auf das Bild, das auf dem Video zu sehen ist.
      Mit dem Subvokalen Training, das in der Übung „Ich sag dir, wie es geht“ zusammengefasst wurde, kann der gesamte Bewegungsablauf dann immer wieder durchgegangen und so internalisiert werden.
    • Knotenpunkte: Bei den Knotenpunkten handelt es sich um die individuell bedeutsamen Stellen einer Bewegung. Welche Knotenpunkte das sind und um wie viele es sich handelt, bleibt dem Sportler überlassen. Der Trainer kann den Sportler dabei nur unterstützen. Es ist allerdings nicht ratsam, zu viele Punkte zu wählen. Meist bewegt sich die Anzahl der Knotenpunkte zwischen 3 und 5. Der Sportler unterteilt dazu die zuvor beschriebene Bewegung in verschiedene Phasen. So strukturiert er die Bewegung für sich.
      Meist bauen die Phasen aufeinander auf. Ist Phase 1 nicht korrekt ausgeführt, kann die Bewegung in der Folge nicht korrekt durchgeführt werden. Jeder Knotenpunkt wird vom Athleten in Form einer Überschrift oder mit einem Schlagwort symbolisch markiert. Dieses Schlagwort sollte akustisch und vom Rhythmus zur Ausführung der Bewegung passen (s. Beispiel Golfschwung, Abb. unten) und wird neben die Bewegungsbeschreibung in die zweite Spalte auf dem Arbeitsblatt eingetragen.
    Quelle: Mayer und Hermann

    Um zu überprüfen, ob der Rhythmus der symbolischen Markierung zeitlich passt, kann die Bewegung immer wieder ausgeführt werden. Dabei sollen sich der Spieler die entsprechenden Schlagworte immer wieder vorsprechen.

    • Training: Der Sportler geht das so erzeugte und auf die Knotenpunkte reduzierte Bewegungsbild nun immer wieder mental in „Echtzeit“ durch. Wenn der Sportler das Training nicht gerade in einer Verletzungsphase nutzt, sollte darauf geachtet werden, dass der Sportler immer abwechselnd physisch trainiert und dann wieder mental. Dieser Wechsel hat sich in der Forschung als besonders erfolgreich herausgestellt. Wenn sich im Laufe des Trainings das sportliche Niveau verbessert, muss evtl. auch das Vorstellungsbild angepasst werden. Es empfiehlt sich, die mentale Vorstellung der Bewegung ein- bis dreimal pro Tag zu üben. Dabei reichen schon wenige Minuten aus. Mentales Training nach dem Sport durchzuführen und direkt vor dem Schlafengehen hat sich als besonders erfolgreich erwiesen (Spitzer, 2002).


    Variation

    • Verschiedene Techniken können auf diese Weise mental trainiert werden.


    Reflexionshilfen

    • Was ist für mich besonders wichtig bei der Ausführung?
    • Gelingt es, die Bewegung mental vorzustellen?
    • Bemerke ich eine Verbesserung?
  • Bilder sortieren
    Gruppenstärke max. 15 Spieler
    Ziel Aufbau der Bewegungsvorstellung
    Dauer 10 Minuten
    Materialien Einzelbilder einer technischen Bewegung

    Hintergrund

    Wenn wir ein Bild eines Eishockeyspielers sehen, können wir meist recht schnell zuordnen, was dieser Aktion vorausgegangen ist, in welcher Phase der Bewegung er sich aktuell befindet und was der Spieler nun als Nächstes tun wird. Die Grundlage dafür bilden die Vorstellungsfähigkeit und das Erfahrungswissen. Je mehr Erfahrung eine Person hat, umso schneller erkennt sie an nur wenigen Hinweisen, was der Spieler in der nächsten Aktion vorhat. Torhüter nutzen dieses Wissen, indem sie den Körper des Spieler intuitiv genau beobachten und dann daraufhin schon ihre Abwehrbewegung einleiten. Würden sie sich erst bewegen, wenn der Puck sich bereits auf sie zubewegt, würden sie für eine erfolgreiche Puckabwehr immer zu spät sein. Dieses Erfahrungswissen kann mit der Aufgabe „Bilder sortieren“ trainiert werden


    Organisation und Ablauf

    • Zunächst muss der Trainer mit einer guten Kamera, die einen Sportbildmodus hat oder Serienfotos erlaubt, Bilder von verschiedenen Bewegungsabläufen machen. Die Bewegung sollte möglichst sauber ausgeführt sein, damit sie später eindeutig erkannt wird.
    • Anschließend werden diese Bilder einzeln ausgedruckt. Es muss darauf geachtet werden, das die Bilder nicht zu klein sind.
    • Die Anzahl der Bilder kann beliebig gewählt werden, die Anzahl der Bilder sollte aber ungefähr mit der Anzahl der Spieler übereinstimmen.
    • Der Trainer gibt jedem Sportler zufällig ein Bild des Gesamtsatzes.
    • Die Sportler sollen die Bilder nun in der Gruppe in die richtige Reihenfolge bringen und an einer Wand oder einer Flipchart fixieren.
    • Anschließend wird die Bewegung gemeinsam Bild für Bild mit dem Trainer möglichst genau beschrieben, z. B. wie  die Hüfte während des Treffpunktes geneigt ist.
    • Zum Schluss erhält jeder Schüler einen eigenen Bildersatz, der auf einem Blatt die Bewegung in der richtigen Reihenfolge dargestellt. Der Sportler notiert sich die für ihn wichtigen Aspekte des Bewegungsablaufs.


    Variationen

    • Die Bilder können auch unsortiert auf einem Blatt ausgedruckt werden und jeder Sportler muss sie selbst in die richtige Reihenfolge bringen. So können verschiedene Techniken besprochen werden. Bei einzelnen Sportlern können bestimmte Schwerpunkte gesetzt werden.
    • Die Übung kann auch für andere Techniken, z. B. im Krafttraining, eingesetzt werden.
    • Der Trainer kann die Bilder unsortiert, eines nach dem anderen in die gemeinsame WhatsApp Gruppe stellen. Vor jedem Bild soll eine Zahl stehen. Diese Zahl entspricht der Reihenfolge der hochgeladenen Bilder: dem ersten Bild steht entsprechend die Zahl „1“ voran, dem zweiten die Zahl „2“ usw. Die Sportler sollen dann die richtige Reihenfolge erkennen und entsprechend antworten, z. B.: 7, 3, 1, 2, 4, 6, 5.


    Reflexionshilfen

    • Stimmt das Bild, das die Sportler vor der Übung hatten, mit der Realität überein?
    • War es schwierig, die Bilder in die richtige Reihenfolge zu bringen?
    • Gab es Überraschungen?

Druckresistenz

  • Stress-Skyline
    Gruppenstärke beliebig
    Ziel Selbstwahrnehmung fördern, Druckauslöser kennenlernen, Beurteilungsschema zur systematischen Analyse von Druck, Lösungsmöglichkeiten gemeinsam erarbeiten
    Dauer 30 Minuten
    Materialien Schreibutensilien, Flipchart, Arbeitsblatt "Stress-Skyline"

    Hintergrund

    Oftmals ist es nicht ein Faktor, der Stress auslöst, sondern die Druckbelastung entsteht durch eine Vielzahl an Stressoren, die auf die Person einwirken. Jedoch werden nicht alle Reize gleichermaßen von Personen als Stressor wahrgenommen. Was bei einem Spieler Stress auslöst, kann von einem anderen Spieler als willkommene Herausforderung oder gar zusätzliche Motivation wahrgenommen werden. Darum ist es wichtig, dass jeder Spieler sensibel für seine persönlichen Stressoren wird, um angemessen darauf reagieren zu können. Mit der Stress-Skyline sollen die Sportler ihre Stressoren besser kennenlernen. Es wird ihnen ein System vorgestellt, mit dem sie schnell reflektieren können, wie intensiv der Stressor auf sie einwirkt. Der Sportler kann so den Überblick behalten, in welchen Wochen er mental besonders belastet ist und er vermehrt darauf achten sollte, bei sich für Erholung zu sorgen.


    Organisation und Ablauf

    • In der Gruppe wird gemeinsam besprochen, welche Faktoren Druck auf die Sportler aufbauen und welche Ursachen bei ihnen Stress auslösen. Die Beispiele werden auf der Flipchart gesammelt.
    • Den Spielern wird das Arbeitsblatt „Stress-Skyline“ ausgehändigt.
    • Jeder Spieler soll seine individuellen Stressoren in jeweils einem der Balken eintragen.
    • Die Spieler sollen eine Linie ziehen, die anzeigt, wie intensiv sie diesen Stressor in der vergangenen Woche erlebt haben.
    • Aus den verschiedenen Linien ergibt sich dann so etwas wie eine „Skyline“, bei der die verschieden hohen Balken die einzelnen Wolkenkratzer darstellen.
    • Der Trainer bespricht mit den Spielern exemplarisch einige Stressoren und fragt sie, wie hoch sie diesen in der vergangenen Woche erlebt haben.
    • Es wird sich zeigen, dass mehrere Spieler ähnliche Faktoren als belastend erlebt haben und sie sich bezüglich anderer Faktoren stark unterscheiden. Auch die Intensität der Faktoren wird unterschiedlich eingeschätzt werden.
    • Es können untereinander erste Ideen ausgetauscht werden, wie andere mit dem Druck umgehen und was getan werden kann, damit der Druck beim Einzelnen reduziert wird.
    • Möglicherweise wird auf diese Weise auch mehr Verständnis für die Situation des jeweils Anderen erzeugt.
    • Das Schema wird den Sportlern ausgehändigt. Sie sollen künftig immer wieder beurteilen, wie stark sie unter Druck stehen, um gezielt Maßnahmen zu ergreifen, mit den Belastungen umzugehen.
    • Der Trainer kann auf diese Weise auch die psychische Belastung der Sportler einschätzen und diese gemeinsam mit der physischen Belastung als Grundlage für die Belastungssteuerung heranziehen.


    Variation

    • Der Trainer kann im Anschluss mit jedem Spieler oder mit ausgewählten Spielern die Stress-Skyline persönlich betrachten und individuelle Lösungsmöglichkeiten erarbeiten


    Reflexionshilfen

    • Fällt es mir schwer, die Stressoren zu benennen?
    • Gibt es Stressoren, die mir vorher möglicherweise nicht wirklich aufgefallen sind, die mich aber sehr belasten?
    • Finde ich passende Lösungen?
  • Stressradar
    Gruppenstärke beliebig
    Ziel Selbstwahrnehmung fördern, Stressintensität besser einschätzen lernen, Differenzierung von Stressreaktionen, Ansatzpunkte für Stressreduktion auf verschiedenen Ebenen
    Dauer 45 Minuten
    Materialien Schreibutensilien, Flipchart, Arbeitsblatt "Stressradar"

    Hintergrund

    Während die Übung Stress-Skyline das Ziel hat, die individuellen Stressoren ausfindig zu machen, dient die Übung Stressradar dazu, die individuell ablaufende Stressreaktion genauer zu analysieren. Die Stressreaktion läuft immer auf vier unterschiedlichen Ebenen ab. Sie wird in eine kognitive, eine emotionale und eine körperliche Reaktion sowie eine Reaktion auf der Verhaltensebene unterteilt. Die Unterteilung ist wichtig, da auf allen vier Ebenen Lösungsansätze gefunden werden können. Natürlich hängen diese Ebenen stark miteinander zusammen.


    Organisation und Ablauf

    • Der Trainer erklärt den Sportlern noch einmal den Unterschied zwischen Stressor und Stressreaktion. Letzere hat zum einen Anteile, die sich im Sportler abspielen, und zum anderen Anteile, die sich als verhaltensmäßige Reaktion nach außen richten (vgl. "Stressvulkan").
    • Den Sportlern wird das Arbeitsblatt Stressradar ausgehändigt.
    • Die Sportler sollen zunächst zu allen vier Bereichen einige Stichpunkte notieren, wie sich Stress bei ihnen äußert. Es kann nach moderatem und intensivem Stress unterschieden werden.
    • Die Belastungswahrnehmung kann auch mit einer entspannten Situation verglichen werden, um Unterschiede hervorzuheben.
    • Möglicherweise äußert sich lang anhaltender Stress beim ein oder anderen Sportler auch durch Erkrankungen wie Erkältungen, Hautreaktionen verschiedener Art oder anhaltender Kopfschmerz. Auch Magen-Darm-Probleme sind keine Seltenheit.
    • Die verschiedenen Stressreaktionen werden besprochen. Damit kann die Stressreaktion bereits teilweise normalisiert werden. Zudem kann der Trainer sehen, welcher Spieler unter intensivem oder langanhaltendem Stress leidet und bei wem es sich eher um Nervositätssymptome, z. B. vor dem Spiel, handelt.
    • Gemeinsam wird besprochen, was der Einzelne macht, um auf den Druck zu reagieren.
    • Die Lösungsvorschläge werden auf dem Flipchart gesammelt.
    • Sie können durch andere Übungen dieser Sammlung ergänzt werden. Es bieten sich sowohl langfristige Verfahren (z. B. regelmäßige Muskelentspannung) als auch kurzfristige (z. B. mentaler Notfallplan) an.
    • Jeder Sportler soll sich anschließend unter „Lösung“ seine individuelle Antwort auf eine Stressreaktion notieren, mit der er dieser zukünftig begegnen möchte.


    Variation

    • Der Stressradar kann individuell mit einzelnen Sportlern besprochen werden, bei denen der Trainer das Gefühl hat, dass sie unter besonderem Druck stehen.


    Reflexionshilfen

    • Fällt es euch schwer/leicht, die verschiedenen Ebenen der Stressreaktion zu unterscheiden?
    • Welche Antworten auf die Stressreaktion habt ihr gefunden?
    • Wie könnt ihr den „Stressradar“ auch langfristig für euch nutzen?

Entspannung und Aktivierung

  • Wechselroutine: Entspannung und Aktivierung
    Gruppenstärke beliebig
    Ziel Energiemanagement
    Dauer 10 bis 15 Minuten
    Materialien Schreibuntensilien

    Hintergrund

    • Physische und psychische Belastung führen gleichermaßen zu Erschöpfung. Pausen dienen dazu, sich zu erholen und wieder energiegeladen weiterzumachen.
    • Gerade die häufigen Wechsel im Eishockey bieten die Möglichkeit, dass sich der Spieler gezielt ein wenig entspannt und er sich pusht, kurz bevor er wieder auf das Eis geht.


    Organisation und Ablauf

    • Der Trainer sensibilisiert die Sportler für die Wichtigkeit vom Wechsel aus Anspannung und Entspannung während des Wettkampfs.
    • Er fragt die Sportler, welche Methoden zur Entspannung und Aktivierung sie kennen.
    • Gemeinsam werden die verschiedenen Möglichkeiten zusammengetragen. Sie können dann vom Trainer durch weitere Methoden aus der Sportpsychologie ergänzt werden.
    • Nun erarbeitet sich jeder Spieler seine individuelle Wechselroutine.
    • Es empfiehlt sich ein 3-schrittiges Vorgehen:
      – Runterfahren und Entspannen: Muskeln lockern, Blick abwenden, Atemübung usw.
      – Analyse und Planung: Positive und negative Aktionen noch einmal im Kopf durchgehen und sich einen Plan für die nächste Einsatzzeit bilden.
      – Motivation und Selbstvertrauen: Visualisieren guter Aktionen, Motto bewusst machen, Ritual durchführen usw. 
    • Anschließend kann die individuelle Wechselroutine auf dem Eis eingeübt werden.


    Variation

    • Mit jüngeren Jahrgängen kann auch eine grobe, einheitliche Routine entwickelt werden.


    Reflexionshilfen

    • Wie gut gelingt es, aktiv zwischen Aktivierung und Entspannung zu wechseln?
    • Hat mir die Wechselroutine beim Wettkampf geholfen?
    • Wo könnte ich sie noch anwenden?
  • Aktivierung durch Musik
    Gruppenstärke beliebig
    Ziel Mentale Aktivierung
    Dauer 20 Minuten
    Materialien Lautsprecher

    Hintergrund

    Musik hat einen starken Einfluss auf unsere Emotionen. Bei jedem Mensch lösen unterschiedliche Musikrichtungen oder Songs verschiedene Emotionen aus. Manche Lieder stimmen uns eher traurig und andere eher glücklich. Musik kann alle Arten von Emotionen erzeugen. Manche dieser Emotionen unterstützen uns besser und andere schlechter, um in die „richtige“ Stimmung vor einem Spiel zu kommen. Die Sportler sollen lernen, Musik gezielt einzusetzen, um sich zu aktivieren und Unterschiede bzgl. der emotionalen Ansprache auf Musik wahrzunehmen.


    Organisation und Ablauf

    • Der Trainer fragt die Sportler, welche Musik sie derzeit besonders pusht.
    • Die Sportler dürfen unterschiedliche Lieder anspielen.
    • Die Sportler sollen sagen, was sie mit dieser Musik verbinden,  z. B. Fokus, Ruhe, Selbstvertrauen, Aggressivität, Lockerheit.
    • Gemeinsam wird besprochen, welche Musik sich für die Spielvorbereitung besonders einigt.
    • Die Spieler werden aufgefordert, sich eine eigene Playlist zur Aktivierung zusammenzustellen.
    • Der Trainer betont Regeln, welche Musik in der Kabine gespielt werden darf.


    Variationen

    • Es werden Lieder für eine Team-Playlist zusammengetragen, die vor einem Spiel gehört werden. Es kann ein bestimmter „letzter Song“ bestimmt werden, der gehört wird, bevor man die Kabine verlässt.
    • Es können Veto-Lieder bestimmt werden, weil sie einzelne Sportler besonders runterziehen, weil sie die Musik evtl. mit einem traurigen Ereignis in Zusammenhang bringen.


    Reflexionshilfen

    • Welche Musik aktiviert dich besonders?
    • Welcher Gedanke ist damit assoziiert?
    • Ist es der Text, die Melodie und der Beat, der dich besonders pusht?
    • Welche Lieder ziehen dich eher runter?
    • In welchen Situationen kann dich Musik noch unterstützen?
    • Welche Emotionen löst diese Musik bei dir aus?

Misserfolg

  • Ursachenanalyse: "Woran hat es gelegen?“
    Gruppenstärke beliebig
    Ziel Analytische Selbsteinschätzung, Abstand von der emotionalen Bewertung, Steigerung der Motivation, Selbstwirksamkeit steigern, eigenes Attributionsmuster erkennen
    Dauer 30 Minuten
    Materialien Arbeitsblatt: Ursachenanalyse-Attributionsschema, Schreibutensilien

    Hintergrund

    • Die Ursache für Erfolge oder Misserfolge wird immer innerhalb oder außerhalb der Person gesucht und auf stabile oder variable Faktoren zurückgeführt. Aus den beiden Dimensionen Ort der Ursache (intern vs. extern) und Stabilität (stabil vs. variabel) ergeben sich vier verschiedene Bereiche, denen die Ursache zugeschrieben werden kann (s. Arbeitsblatt)
      – Fähigkeit: intern & stabil
      – Anstrengung: intern & variabel (hierzu gehört auch die Konzentration, die ein Sportler aufbringt)
      – Aufgabenschwierigkeit: extern & stabil
      – Zufall: extern & variabel
    • Bei dieser Ursachenzuschreibung wird in der Psychologie von Attribution gesprochen.
    • Je nach Ursachenzuschreibung kann sich dies positiv oder negativ auf die Selbstwirksamkeit des Sportlers auswirken. Werden Erfolge beispielsweise immer auf externe Faktoren, die variabel sind, zurückgeführt, also auf den Faktor Glück, wirkt sich dies genauso negativ aus, wie Misserfolge ständig auf den Faktor Fähigkeit, also intern und stabil, zurückzuführen.
    • Sportler unterscheiden sich stark darin, worauf sie Erfolge und Misserfolge zurückführen. Es wird zwischen Sportlern unterschieden, die „Furcht vor Misserfolg“ haben und Sportlern, die tendenziell „Hoffnung auf Erfolg“ haben. So führt ein erfolgsorientierter Sportler Misserfolge zum Selbstschutz kurzfristig auf externe und variable Faktoren zurück, wie schlechtes Material oder störende Geräusche während des Spiels. Ein Sportler mit Furcht vor Misserfolg, wird Misserfolg hingegen auf interne und stabile Faktoren, also seine eigenen Fähigkeiten zurückführen.
    • Meist liegt die Ursache von Erfolgen und Misserfolgen in mehreren Bereichen begründet. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Ursache soll die Motivation und die Selbstwirksamkeit des Sportlers steigern.


    Organisation und Ablauf

    • Der Trainer gibt jedem Sportler ein Arbeitsblatt  und erklärt das Attributionsschema möglichst anhand eines Beispiels.
    • Jeder Sportler soll sich eine Szene überlegen, in der er erfolgreich war oder einen Misserfolg verbuchen musste. Wahlweise kann der Trainer steuern, ob die Spieler gezielt einen Misserfolg oder einen Erfolg analysieren sollen. Dieser soll in die erste Zeile geschrieben werden.
    • Die Sportler sollen sich nun überlegen, wie viel Prozent sie welchem Bereich als Ursache zuschreiben und die entsprechende Zahl jeweils rechts unten notieren. Die Gesamtsumme muss 100 Prozent ergeben.
    • Die Sportler sollen in das Feld darüber zunächst einmal schreiben, wie sie die entsprechende Prozentverteilung begründen.
    • Anschließend kann daraus geschlossen werden, was zukünftig wichtig ist und worauf der Sportler sich konzentrieren sollte. Bei Anstrengung kann das mehr Disziplin bedeuten oder, sich besser auf einen Wettkampf mental vorzubereiten. Bei Fähigkeit könnte es bedeuten, bestimmte Trainingsinhalte zu steigern. Bei Aufgabenschwierigkeit kann geschaut werden, ob die Anforderungen zunächst wieder ein wenig zurückgeschraubt werden müssen oder ob bestimmte Bereiche verstärkt trainiert werden müssen. Im Bereich Zufall gilt es meist zu akzeptieren, dass Sport immer auch gewissen Zufällen unterliegt. Auf diese Weise kann die Motivation wieder gesteigert werden.
    • Die verschiedenen Ergebnisse können immer wieder in der Gesamtgruppe diskutiert werden.


    Variationen

    • Mit der gesamten Gruppe kann auf diese Weise ein Spiel analysiert werden.
    • Es kann überlegt werden, ob Spieler mehr oder weniger zu einem bestimmten Feld neigen.


    Reflexionshilfen

    • War der Erfolg nach dem letzten Spiel tatsächlich hauptsächlich Zufall und das Zutun der Anderen oder habe ich auch einfach selbst gut gespielt?
    • Könnte ich versuchen, bei der nächsten Niederlage auch nach eigenen Fehlern zu suchen?
    • Neige ich dazu, Misserfolg eher auf äußere Umstände oder auf mich selbst zurückzuführen?

Team

  • Vorurteile
    Gruppenstärke beliebig
    Ziele Regeln und Normen hinterfragen, Commitment mit Normen und Regeln stärken
    Dauer 20 Minuten
    Materialien Arbeitsblatt: Affengeschichte

    Hintergrund

    • Teamdynamiken nehmen oftmals eine sehr eigene Gestalt an. 
    • Ganz unbewusst entwickeln sich eigene Regeln und Umgangsformen. 
    • Gerade im Sport spielt dies eine Rolle. Beispiele dafür sind „wie miteinander gesprochen wird“, „wie mit Nacktheit oder Körperkontakt umgegangen wird“ oder „wie Jungen- und Mädchenrollen gesehen werden“. 
    • Die Spieler sollen angeregt werden, Regeln zu hinterfragen, um sie besser verstehen zu können und sich anschließend besser daran ausrichten zu können.
    • Allerdings sollten Regeln und Normen auch veränderbar sein, wenn sie keine Bedeutung haben.
    • Oftmals werden Kinder und Jugendlichen mit Killerphrasen wie „Weil man das nicht macht!“ oder „Weil wir das schon immer so gemacht haben!“ mundtot gemacht. 
    • Ein „Weil“ suggeriert dabei tatsächlich eine Begründung und manchmal geben sich Spieler damit zufrieden (Pseudokausalität). Dies sollte aber nicht der Sinn einer Begründung sein.


    Organisation und Ablauf

    • Der Trainer liest den Spielern das „Experiment“ mit den fünf Affen in einem Käfig vor (Achtung: Dieses Experiment ist so nie durchgeführt worden. Diese Geschichte sollte ausschließlich als Metapher verwendet werden).
    • Anschließend fragt der Trainer die Spieler, was sie aus der Geschichte verstanden haben. 
    • Zentral ist zu erarbeiten, dass sich alle Affen an eine Regel gehalten haben, von der keiner versteht, warum sie besteht. 
    • Die Spieler überlegen sich nun, ob es in ihrem Umfeld Regeln gibt, die sie nicht verstehen.
    • Diese Regeln werden besprochen und der Sinn hinter der Regel erklärt. 
    • Der Trainer soll die Sportler darin bestärken, Regeln und Normen zu hinterfragen.
    • Das Motto soll lauten „Rückfragen erwünscht – keine Ja-Sager“.


    Variation

    • Der Trainer stellt am Anfang der Saison bestimmte Teamregeln auf und animiert die Sportler diese zu hinterfragen.


    Reflexionshilfen

    • Was sagt mir die Geschichte?
    • Welche Regeln bestehen in unserem Verein oder in unserer Mannschaft?
    • Sind dies implizite (unausgesprochene) oder explizite (ausgesprochene) Regeln?
    • Seid ihr mit den Regeln und Normen einverstanden?
    • Versteht ihr den Hintergrund der Regel?
  • Saisonziele
    Gruppenstärke beliebig
    Ziele gemeinsame Ziele festlegen, Motivation im Team
    Dauer 30 Minuten
    Materialien Plakat, Stifte

    Hintergrund

    • Ein wichtiges Element für ein erfolgreiches Team sind Teamziele.
    • Diese Ziele sollten positiv formuliert werden. Der „Nichtabstieg“ ist kein positiv formuliertes Teamziel. Die Formulierung „Die Liga halten!“ verändert nur wenig daran.
    • Bei der Zieldefinition soll die Mannschaft die Übungen „SMARTe Zielsetzung“, „Visionen und Ziele“ und „Prozess-, Leistungs-, und Ergebnisziele“ aus dem Bereich Motivation berücksichtigen.
    • Die Übung sollte in der ersten Hälfte der Vorbereitung durchgeführt werden.


    Organisation und Ablauf

    • Alle Spieler treffen sich gemeinsam in der Kabine oder in einem Seminarraum.
    • Gemeinsam werden ambitionierte aber realistische Ziele für die Saison definiert.
    • Es sollen auch verschiedene Zwischenziele formuliert werden.
    • Bei der Zielformulierung werden Minimal- und Maximalziele, SMARTe Ziele, lang-, mittel und kurzfristige Ziele sowie Prozess-, Leistungs-, und Ergebnisziele berücksichtigt.
    • Die Ziele auf den verschiedenen Stufen sollen auf einem Teamplakat festgehalten werden.
    • Die Mannschaft kann sich bestimmte Aktivitäten überlegen, mit denen sie sich belohnen wollen, wenn sie ihre Ziele erreichen.
    • Im Sinne eines Vertrages werden die gemeinsam definierten Ziele von allen unterschrieben.
    • Das Zielplakat wird an einem zentralen Ort aufgehängt oder vor jedem Spiel in der Kabine aufgehängt.


    Variation

    • Unterschiedliche Schwerpunkte können gesetzt werden.


    Reflexionshilfen

    • Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden?
    • Sind wir uns bei der Zielformulierung einig?
    • Halte ich die Ziele für realistisch (schwierig aber machbar)?

Motivation und Wille

  • Prozess-, Leistungs- & Ergebnisziele
    Gruppenstärke beliebig
    Ziele Zieldifferenzierung, Motivation, Zielbindung und Selbstwirksamkeit steigern
    Dauer 20 Minuten
    Materialien Arbeitsblatt: Prozess-, Leistungs- & Ergebnisziele, Stifte

    Hintergrund

    • Oftmals wird bei Zielen nur über Ergebnisziele gesprochen, wie z. B. ein Spiel zu gewinnen. Ziele können jedoch auf ganz unterschiedlicher Ebene gesetzt werden. Prinzipiell unterscheidet man in Prozess-, Leistungs- und Ergebnisziele.
      – Unter einem Prozessziel versteht man die Weiterentwicklung einer Fähigkeit wie z. B. Verbesserung der Stocktechnik.
      – Unter einem Leistungsziel versteht man Ziele, die meist eine individuelle Bezugsnorm haben. Als Beispiel gelten hier Zeiten oder Umfänge, die in Relation zu einer eigenen vergangenen Leistung gesetzt werden. 
      – Ergebnisziele beziehen sich immer auf das Endresultat, die meist bezogen auf andere Sportler oder Teams gesetzt werden.


    Organisation und Ablauf

    • Auf einem Flipchartpapier werden alle drei Zielarten, wie auf dem Arbeitsblatt „Prozess-, Leistungs- und Ergebnisziele“ dargestellt, aufgeschrieben.
    • Der Trainer fragt die Sportler was sie meinen, was mit welcher Zielart gemeint sein könnte. Gemeinsam werden Beispiele für jeden Bereich gesammelt. 
    • Nun bestimmt jeder Spieler ein Ziel, dass er sich setzt. 
    • Den Spielern wird das Arbeitsblatt „Prozess-, Leistungs- und Ergebnisziele“ ausgeteilt. Jeder soll nun die individuellen Ziele auf allen drei Ebenen festlegen.


    Variation

    • Diese Art der Zielsetzung kann als Festlegung der Teamziele in der Saison herangezogen werden.


    Reflexionshilfen

    • Fällt es dir leicht, die Ziele in dieser Art zu setzen?
    • Wie kann dich diese Art der Zielformulierung unterstützen?
  • Alles unter einem Hut
    Gruppenstärke beliebig
    Ziele Zeitmanagement, Commitment steigern
    Dauer 15 Minuten
    Materialien Stifte, Papier

    Hintergrund

    • Mit steigenden Anforderungen in der Schule, mit immer mehr Trainingseinsatz und mit unterschiedlichen aufkommenden privaten Interessen, wird es für die jungen Sportler immer mehr zur Herausforderung, alle Anforderungen „unter einen Hut“ zu bringen.
    • Trainer beschweren sich dann oftmals über den fehlenden Trainingseifer und Talente brechen dem Leistungssport weg.
    • Für die jungen Sportler bedeutet der Leistungssport oft hohen Verzicht.
    • Mit Hilfe dieser Übung bekommen die Sportler ein aktives Gefühl ihrer Zeitsteuerung und haben nicht das Gefühl, nur den Terminen hinterher zu rennen und für nichts Zeit zu haben.


    Organisation und Ablauf

    • Gemeinsam mit den Sportlern werden Lebensbereiche gesammelt und aufgeschrieben, die sie „unter einen Hut“ bekommen müssen. Diese können die den Sport, die Familie, Freunde, Freizeit, Schlaf, Schule und viele weitere Bereiche umfassen.
    • Nicht jeder Lebensbereich trifft auf jeden Spieler zu.
    • Es können auch Ober- und Unterkategorien gebildet werden.
    • Die Spieler sollen die verschiedenen Lebensbereiche, die sie koordinieren müssen und möchten, auf einem Blatt notieren. 
    • Wenn sie alle Bereiche notiert haben, sollen sie im Sinne eines Tortendiagramms oder über Prozentzahlen deutlich machen wie viel Zeit sie aktuell für welchen Bereich investieren.
    • Anschließend sollen die Spieler überlegen, welche Aufteilung ideal wäre. Gleichzeitig sollte diese Aufteilung dennoch realistisch sein.
    • Aus dieser Diskrepanz soll der Sportler seine Priorisierung der Lebensbereiche herausarbeiten. 
    • Der Trainer sollte den Sportler dabei unterstützen und darauf achten, dass Bereiche wie Schule mindestens genauso hoch priorisiert werden, wie der Sport.
    • Diese Priorisierung ist jedoch sportler- und phasenabhängig.
    • Abschließend soll über "Zeitfresser" diskutiert werden und wie diese eliminiert werden können.
    • Jeder Sportler soll sich einen Plan machen wie er in nächster Zeit versuchen möchte, die verschiedenen Lebensbereiche zu koordinieren und so zu professionalisieren, damit er die eigenen Ziele strukturiert verfolgen kann.


    Variationen

    • Die Spieler dokumentieren für eine Woche wie viel Zeit sie in die einzelnen Bereiche investieren. Anschließend wird die Ist-Soll-Diskrepanzen herausarbeiten.
    • Eine genaue Analyse des Investments kann auch einmal nur für den Sport durchgeführt werden. Wie viel Zeit verbringt der einzelne Sportler mit Mannschafts- und individuellem Training, wie viel Zeit investiert der Sportler in Athletik, Ausdauer, Kraft, Technik, Regeneration, Ernährung, Sportpsychologie, Beweglichkeit usw.


    Reflexionshilfen

    • Kann ich den Bereichen eine bestimmte Zeit zuordnen?
    • Bin ich bereit, dem Sport so viel Zeit zu widmen?
    • Wo kann ich Zeit einsparen?
    • Auf was muss ich verzichten, wenn ich den Sport so betreiben möchte?